Sagenfigur - Das Bangartenfrähnle
Zur Sage
Das Banngartenfrääle
Banngartenfrääle – Eine Alt-Rappenauer Sagengestalt
Beschreibung Kostüm
- Rock aus Leinen, Farbe beige
- Bluse aus Leinen mit Schnüren
Farben braun und grün
- Käppchen aus Leinen,
Farbe beige wie der Rock
- Schuhe in braun
- Rüschenhose weiß
- Korb, gefüllt mit Birnen
Die Sage vom Banngartenfrääle
– Roland Franke –
Vorbemerkung: Sagen sind mündliche Überlieferungen, deren Realitätsanspruch jedoch über dem Märchen liegt. Im Falle der Rappenauer Sage hat man es mit einer Schatzsage zu tun. Hier wird offenkundig, die Sorgen des täglichen Lebens loszuwerden, wenn man einen Schatz findet. In Kriegszeiten vergrub man Geld oder sonstige Preziosen, die spätere Generationen dann zu bergen versuchten. Meistens vermutete man Schätze in alten Ruinen, Trümmern oder unterirdischen Gängen. Diese zu heben, war nach Volksmeinung sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich.
Wo in Bad Rappenau Burgeck- bzw. Frauenstraße einmünden, stand früher die Bann- oder Bandscheuer. Der Bad Rappenauer Heimatforscher Fritz Linder glaubte, dass die Scheune ursprünglich Banngartenscheuer hieß. „Band“ ist hier im Sinne von Faßband gemeint. Der Verfasser ist aber der Meinung, dass im Keller dieses Gebäudes die notwendigen Gerätschaften wie Kufen, Kübel und Fässer aufbewahrt wurden. Dies waren alles Gerätschaften, die zur Weinernte notwendig waren. Im mhd. Bedeutet „Bant“. Reif und ein Faß. Nach dieser Version wäre die Bandscheuer die Lagerstätte von Fässern.
Würde die Scheuer Bandscheuer heißen, müsste man sie als Besitz der Grundherrschaft ansehen, da „ban“ im mhd. Gerichtsbarkeit und deren Bezirk bedeutet.
Wahrscheinlich trifft eher die zweite Version zu, da der Weinbau in Rappenau niemals eine wichtige Rolle spielte.
Die Sage vom Banngartenfrääle
In einem großen Obstgarten der Grundherrschaft standen zahlreiche Obstbäume, darunter in der Mitte ein ungewöhnlich großer, hoher Birnbaum. Hier soll nach des Volks Meinung ein Goldschatz vergraben worden sein.
Der Scheckenbauer, als Nachbar zum Banngarten, hatte einen Knecht, der das Wort „Furcht“ nicht kannte. Selbst wenn ihm der Teufel persönlich erschienen wäre, hätte er kein banges Gefühl gehabt. Im Oberdorf hatte er ein Mädchen, das er sehr liebte und es deshalb regelmäßig besuchte. Er machte immer Umwege, weil ihn der gerade Weg langweilte. Sein Lieblingsweg war der durch den Banngarten, den er besonders gern zur Nachtzeit nahm. Als er sich eines Abends gegen Mitternacht von seiner Geliebten nach Hause machte, erschien ihm im Banngarten beim hohen Birnbaum das Banngartenfrääle.
Es zeigte ihm eine große, goldgefüllte Kiste und sagte: „Das alles ist dein Eigentum, wenn du mich erlöst. Allerdings musst du auch drei Bedingungen erfüllen. Überlege es dir gut und sag niemandem ein gotziches Wort, sonst ist alles umsonst.“
Zu einem bestimmten Termin solle er wieder erscheinen, dann seien die Umstände um die Voraussetzungen zu erfüllen, günstig.
Der Termin der bestimmten Nacht rückte immer näher, und als der festgelegte Zeitpunkt erreicht war, musste der Knecht, der ja wieder bei seiner Herzallerliebsten war, eine Ausrede erfinden, damit er die getroffene Vereinbarung einhalten konnte.
Seine Angebetete wollte gerade an diesem Abend recht lange mit ihm zusammensein. Sie war etwas irritiert über die Unruhe des Geliebten. Sie vermutete sogar, dass eine andere Frau auf ihn warte.
Der Knecht riss sich gewaltsam aus ihren Armen und ließ noch seine Joppe zurück. Hemdsärmelig rannte er in Richtung Banngarten, wo am Birnbaum bereits das Banngartenfrääle wartete. Die Goldtruhe stand auch wieder da. Die ganze Situation war dem Knecht etwas unheimlich.
Das Frääle nannte ihm die erste Probe, die er zu bestehen hatte: Er musste ihr einen Kuss geben. Beim Anblick ihrer Gestalt kamen ihm einige Zweifel, ja sogar Angstgefühle auf. Diese konnte er aber unterdrücken und gab der Frau den geforderten Kuss.
Die zweite Bedingung, die der Knecht nun erfüllen musste, verlangte von ihm schon viel mehr Mut. Das Frääle verwandelte sich plötzlich in einen großen feurigen Pudel, der mit ungewöhnlich großen Augen auf einer Kiste saß. Diesen Wesen sollte der Knecht ebenfalls einen Kuss geben, und der Pudel fuhr ihm dabei mit seiner Zunge immer wieder über das Gesicht. Er brauchte all seine Kraft, um diese Prüfung zu bestehen, dabei ging ihm kein gotziches Wort über die Lippen.
Nun erwartete die größte Bewährungsprobe auf ihn. Das Frääle verwandelte sich in eine Schlange. Sie war von einer ungewöhnlichen Beschaffenheit, die dem Geprüften überhaupt nicht passte. Nun sollte er dieses Reptil küssen. Die Schlange wand sich an ihm empor und bewegte ihre Zunge ständig vor seinem Gesicht hin und her. Dem Leidgeprüften standen die Haare zu Berge, er konnte seine Gefühlsäußerungen nicht mehr unterdrücken und ein leises „Ach Gott“ kam über seine Lippen.
Sofort verwandelte sich die Schlange wieder in das Banngartenfrääle und beklagte sich bitter über sein Versagen. Sie weinte bitterlich und sagte: „Nun hast du es doch vertan und ich muss wieder umgehen, bis vor der Eiche. Eine Frucht fällt und zum Baume wird. Erst das Kind, das in der Wiege liegt, die aus diesem bestimmten Eichenholz gemacht ist, kann mich wieder erlösen.“
Das Banngartenfrääle verschwand mitsamt der Truhe, und der Knecht stand mutterseelenallein beim Birnbaum. Nach diesem Erlebnis eilte er schnell zurück zu seiner Geliebten, um seinen Kittel zu holen. Als er ihr von dem Erlebten erzählte, reagierte sie sehr barsch, weil er auf so leichtsinnige Art großen Reichtum verloren hatte. Sie meinte: „Hau ab, so einen Dapper konn i net brauche.“
So hatte der Knecht nicht nur den erhofften Reichtum verloren, sondern auch seine Geliebte.
Nach dem Ersten Weltkrieg, wo die Sage vom Banngartenfrääle noch in aller Munde war, wurde das beschriebene Areal Baugebiet. Bei der Erschließung hofften viele insgeheim auf den Schatz zu stoßen, doch man fand nur Brandschutt, Musketenkugeln aus Stein und Töpferöfen, die noch mit Geschirr bestückt waren.
Aus den Aufzeichnungen von Fritz Linder geht hervor, dass es nicht nur den Banngarten und das Banngartenfrääle gegeben hat, sondern auch das Banngartenhägle. Dieser Fußpfad stellte eine Querverbindung vom heutigen Oberdorf zur Gartenstraße dar.
Als damaliger ABC-Schütze schielte er immer ängstlich auf den Platz, wo sich die Sage abgespielt haben soll.
Erklärung zum Wort „gotzisch“
Im hiesigen Dialekt bedeutet „kein gotzisches Wort“ – kein einziges Wort.
Literatur:
F. Linder, Aufzeichnungen zu dem Thema: Das Banngartenfrääle von Bad Rappenau.
Ludwig Vögely, Sagen des Kraichgaus, Seite 31.